Am 3. Februar 2026 nahm ich, Rayhana Yousfi, Schülerin der 10. Klasse des Kaiser-Karls-Gymnasiums an einem Berufsfelderkundungstag im Stadtarchiv Aachen teil. Ich lernte viel über die allgemeinen Funktionen des Archivs und erlangte detailreiche Einblicke in die einzelnen Arbeitsbereiche.
Der Tag begann um 9.00 Uhr morgens im Stadtarchiv im Aachener Reichsweg 30. Neben mir nahmen auch zwei weitere Praktikanten des Heilig-Geist-Gymnasiums an diesem Tag teil.
Wir begannen mit einem Rundgang, bei dem wir über die Voraussetzungen informiert wurden, die ein Gebäude erfüllen muss, um in ein Archiv umgewandelt werden zu können. Dabei geht es zum Beispiel um die Stabilität und den Aufbau des Gebäudes, um die teilweise sehr alten Schriftstücke bestmöglich schützen und deren Gewicht tragen zu können. Außerdem sahen wir das älteste Stück des Archivs, eine Urkunde aus dem Jahr 1018 auf Latein.
Nach dem Rundgang wurden wir von einer Mitarbeiterin in eines der Magazine für die standesamtlichen Dokumente mitgenommen. Dieses umfasst beispielsweise Todes-, Geburts- und Heiratsurkunden. Wir erfuhren Einiges über ihre Arbeit, die Organisation der Magazine und ihrem wichtigsten Verwendungszweck, nämlich für Gerichte und rechtliche Angelegenheiten, bei denen es oft um Erbangelegenheiten geht.

Papierpressen in der Restaurierungswerkstatt.
Als Nächstes zeigte uns eine Bibliothekarin des Archivs, wie einer ihrer üblichen Arbeitstage aussieht. Wir lernten Einiges über das Ausleihsystem des Archivs und den Zeitungsbestand.
Anschließend wurden wir von einem weiteren Mitarbeiter in die digitale Seite des Archivs eingeführt. Wir erfuhren von der digitalen Datenbank des Archivs, der Plattform „Faust 10“. Dort gibt es auch einige Einträge über das Kaiser-Karls-Gymnasium. Mit ihm sahen wir uns auch einige Sammlungen des Zweiten Weltkrieges an und konnten die Entwicklung der Zeitungen durch einige Exemplare nachvollziehen.
Anschließend verbrachten wir unsere Pause im Lesesaal des Archivs, der Bereich, der für normale Besucher und Studenten zugänglich ist.
Nach der Pause besuchten wir die Restaurierungswerkstatt des Archivs. Hier durfte ich selbst eine Blaupause aus dem Jahr 1879 reinigen. Wir lernten viel über die Restaurierungsmethoden, die oft aus Japan übernommen wurden und konnten auch hier einige praktische Arbeiten verrichten.

Das für die Restaurierung verwendete „Japanpapier“.
Zum Schluss sprachen wir noch mit einem weiteren Mitarbeiter, der uns mehr über das Archiv erzählte, vor allem über dessen Zukunft angesichts der zunehmenden Digitalisierung. Er erklärte uns auch seine Aufgabe als Archivar, nämlich zu entscheiden, welche Dokumente im Archiv behalten und welche vernichtet werden. Er sprach über die Aspekte, die ihm dabei helfen, dies zu entscheiden.
Das Archiv ist ein sehr wichtiger Baustein einer Demokratie, deswegen ist es auch, wie uns der Mitarbeiter erklärte, für alle zugänglich und ist an keine Dienstleister gebunden. Es geht darum, mit möglichst wenig Material möglichst viel auszudrücken und der Nachwelt einen Überblick der Vergangenheit zu geben.
Seit dem Beginn der Digitalisierung steht das Archiv aber neuerdings vor der Herausforderung, die digitale Geschichte ebenfalls festzuhalten. Die Archive müssen nun herausarbeiten, wie sie neben dem physischen Bestand auch einen digitalen Speicherplatz anlegen können. In dieser Hinsicht wurden in den letzten Jahren schon viele Fortschritte gemacht.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass der Tag mir einem sehr guten Einblick in einen Teil dieser Stadt gab, über den ich nur sehr wenig wusste. Ich lernte viel über die Wichtigkeit eines Archivs und erlangte einen großen Respekt vor den Mitarbeitern, deren Arbeit es wortwörtlich ist, die Geschichte zu bewahren.

Eine der Blaupausen, an denen wir arbeiten durften.
Rayhana Yousfi, 10d