Diesen Sommer hatte ich das Glück, Teil der Deutschen Schülerakademie Clemenswerth zu sein. Nun versuche ich diesen Artikel über meine letzten 16 Tage zu schreiben und es fällt mir schwer sachlich zu bleiben und nicht zu weinen. Denn diese Akademie ist zwar für die Förderung Jugendlicher aus ganz Deutschland bekannt, doch mein Herz ist so voll mit wundervollen Erinnerungen und besonderen Menschen, dass sich mein Kopf mit Wissen verhältnismäßig leer anfühlt.

Doch fokussieren wir uns mal auf das Wissen: Ich habe am Kurs für Kreatives Schreiben teilgenommen. Dort haben wir einander Autoren vorgestellt, literaturwissenschaftlichen Input bekommen, Fragen diskutiert und debattiert, viele Schreibimpulse bekommen, Feedback geben gelernt, Lesungen veranstaltet, einander für neue Textformate begeistert und eine Kursatmosphäre geschaffen, in der wir unsere innersten Gedanken und Gefühle ausdrücken und teilen konnten. Neben unserem Kurs gab es noch vier weitere Kurse: Jura, Kryptographie, die Chemie hinter Farben und Musik und Raum. So trafen völlig verschiedene Themen auf völlig verschiedene Menschen und es entstand eine kleine, süße Familie.

Untergebracht waren wir für diese 16 Tage auf 2er bis 4er Zimmer in der Jugendbildungsstätte Marstall, nur eine wunderschöne Allee entfernt vom Schloss Clemenswerth, umgeben von idyllischem Wald. Dementsprechend startete unser Tag mit Vogelgezwitscher und einer tollen Aussicht. So weit habe ich schon lange nicht mehr schauen können. Dann gab es ein leckeres Frühstücksbuffet, bevor es um 8:25 Uhr zum morgendlichen Plenum ging. Dort wurden wir durch etwas Dehnen oder Singen geweckt und über die Nachrichten und den Tagesablauf informiert. Diesen Raum hat die Akademieleitung ebenfalls genutzt, um ihrer Kreativität freien lauf zu lassen. So standen auch Pudelnudelkämpfe, Handshakes, Hobby-Horsing-Performances, die Tagesschau mit den Jugendwörtern des Jahres etc. auf dem Programm. Danach ging es in die Kurse. Nach drei Stunden meist konzentrierten Arbeitens, inklusive einer kleinen Kaffeepause mit einer Runde Tischtennis, gab es dann ab 12:15 Uhr Mittagessen. Danach war Zeit für „Kursübergreifende Angebote“, kurz: KüAs. In diesem Rahmen konnten wir Aktivitäten anbieten, die wir gerne machen würden, wie diverse Gesellschaftsspiele, Achtsamkeit, Tanzen, Chor, Orchester, auf der Wiese liegen, Henna machen, Schreiben, die UN nachspielen, sich über bestimmte Themen austauschen, Sauerteigbrot mit den besten Namen backen… Es gab keine Grenzen und die Leitenden haben alles gegeben, um jeden Wunsch zu ermöglichen. Selbst hatten diese auch viele Ideen, manche ernster, andere weniger. So fanden wir uns irgendwann auf kleinen Spielzeugbaggern wieder, um spontan an der „Deutschen Meisterschaft im Synchron-Baggerfahren“ teilzunehmen. Unsere Kür wurde natürlich höchst professionell von einer Jury bewertet, wobei die „Piaffe“ die wichtigste Kategorie darstellte. Bis heute weiß jedoch niemand, was das eigentlich ist… Ich bin dennoch stolz auf unseren dritten Platz ;)

 Um 16:30 Uhr begann, nach einer Kuchenpause, unsere zweistündige Nachmittagskursschiene. Darauf folgte ein Abendbuffet und freie Zeit für noch mehr KüAs und Spaß. An manchen Tagen gab es jedoch auch ein festes Abendprogramm wie ein Werkstattkonzert für unperfekte Werke, einen Zukunftsabend, an dem die Leitenden über ihre Laufbahn, Stipendien, Berufe und Erfahrungen berichteten, ein Abschlusskonzert, ein Sportfest mit lustigen Stationen und Parcours, eine Halbzeit- und eine Abschlussparty und einen bunten Abend, der den letzten Abend abschloss und an dem sich nochmal alle präsentieren konnten. Alle diese Veranstaltungen wurden teilweise bis ganz von Teilnehmenden organisiert, sodass wir an Verantwortung wachsen und uns kreativ austoben konnten. Jeden Abend gab es zudem pünktlich um 23:23 Uhr eine 5-minütige Ringvorlesung zu höchst wissenschaftlichen Themen wie Pinguinen auf Drogen oder flüssigen Katzen, belegt mit echten Quellen aus der Wissenschaft und einer Prise freier Interpretation. Außerdem hatten wir die Möglichkeit, einen Poetry-Slam-Workshop und -Abend zu organisieren. So konnten wir viele Menschen vom Zauber des Poetry-Slams begeistern und es haben sich auch einige getraut, selbst ihre bewegenden Texte zu präsentieren. Das war eine magische Stimmung und so eine Veranstaltung zu moderieren eine tolle Erfahrung.

 Beendet wurde jeder Abend mit einem Besuch in der Nachtküche und mit Wolldecken auf der Wiese vor dem warm angestrahlten Marstall mitten auf der Allee. Dort kuschelten wir uns beim Sterneschauen aneinander warm und kamen uns in tiefen Gesprächen auch menschlich sehr nah…

 Diese 16 Tage verflogen ganz nebenbei und irgendwann waren die letzten Abschiedsbriefe geschrieben und in den persönlichen Briefumschlag der anderen geworfen. Auf einmal fand ich mich in festen Umarmungen, Bildern, einem letzten Gruppenkuscheln und einem Meer aus Tränen wieder, denn uns wurde klar, dass wir diese kleine, süße Familie, die wir über die letzten Wochen ins Herz geschlossen hatten, hinter uns lassen müssen. Nun würde jede und jeder wieder den eigenen Weg gehen und sich in den Weiten Deutschlands verlieren. Die Tage der „Utopie auf Zeit“, wie es am Anfang noch aus Spaß, nun schluchzend, genannt wurde, waren gezählt. Drum stieg ich mit Kopfschmerzen vom Tränenvergießen in den Zug und war einfach nur dankbar dafür, Menschen und Erinnerungen zu haben, die ich so sehr vermissen kann. Schließlich fuhr ich nicht alleine nach Hause. Ich hatte meinen Briefumschlag mit tollen Worten und Erinnerungen im Gepäck und Freunde, die trotz der Distanz bleiben. Ich kehre zurück mit vollem Herzen und kann es wirklich weiterempfehlen, sich für eine Schülerakademie zu bewerben, denn es ist mehr als eine Akademie – Es ist eine magische Utopie auf Zeit.

 

Mila Heeren, Q1

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