Die zielgerichtete Verwendung von Medien jedweder Art und die Interpretation medial vermittelter Inhalte sind in unserer heutigen Gesellschaft ebenso selbstverständlich wie erforderlich. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit zu einer sinnvollen und strukturierten Medienerziehung in der Schule, deren Ziel es ist, den Schülerinnen und Schüler einen verantwortungsbewussten und sicheren Umgang mit Medien zu ermöglichen. Dieser Bildungs- und Erziehungsauftrag ist im Schulgesetz (SchulG NRW 2005, §2.2) sowie in den Kernlehrplänen der einzelnen Fächer verankert. Zum Bereich der Medien gehören nach unserer Auffassung nicht nur die so genannten neuen Medien, also der Computer mit seinen Einsatzmöglichkeiten und der vielfältigen Software und das Internet, sondern auch geschriebene Texte jeder Art, Hörtexte und filmische Darstellungen. Medienerziehung in der Schule muss folglich ein breites Spektrum an Fähigkeiten und Fertigkeiten abdecken.

 

 

Das Medienkonzept des Kaiser-Karls-Gymnasiums beinhaltet folgende Elemente:

„Medienpass NRW“
Der „Medienpass NRW“, ausgezeichnet mit dem Comenius-Award 2015, bietet einen Planungsrahmen, mit dem die umfassende Medienkompetenz unserer Schüler erreicht werden kann. Das Konzept umfasst fünf Kompetenzbereiche, die wiederum in jeweils vier Teilkompetenzen differenziert werden. Von den vier Stufen der Umsetzung werden an unserer Schule die Stufen drei (Erprobungsstufe: Jahrgänge 5 und 6) und vier (Mittelstufe: Jahrgänge 7 bis 9) umgesetzt. Die Durchführung findet hauptsächlich im Fachunterricht statt, wird allerdings durch Einführungs- und Trainingsphasen, das sogenannte „Medientraining“, ergänzt. Die Dokumentation für die Erprobungsstufe erfolgt mit Hilfe eines persönlichen Medienpasses, in dem die erreichten Kompetenzstufen durch den Klassenlehrer mit einem Stempel markiert werden.

 

Medientraining der Jg. 5 - 7

Einführend erhalten alle 5. Klassen innerhalb der ersten Schulwochen vom Klassenlehrer eine Einweisung in die Nutzung des Computerraums. Aufbauend werden die Grundfunktionen im Fachunterricht eingeübt und in der Woche vor den Herbstferien im ersten Medientraining vertieft. Für den sechsten Jahrgang lautet der Schwerpunkt des Medientrainings „Soziale Netzwerke“, da die Schülerinnen und Schüler erfahrungsgemäß zu diesem Zeitpunkt schon einige Erfahrungen mit diesen gemacht haben und eventuell auch schon erste Probleme deutlich geworden sind. Beispielhaftes Thema ist das Recht am eigenen Bild. Für den 7. Jahrgang bewährt hat sich der Schwerpunkt „Handynutzung“, da gerade in diesem Alter Fragen rund um Handymodelle, Verträge und Käufe („In-App-Käufe“) brisant sind. Auch rechtliche Fragen werden in diesem Training wieder berührt.

 

Orientierung am Konzept „Medienscouts NRW“

Das oben genannte Medientraining wird von „KKG-Medienscouts“ aus dem 9. Jahrgang durchgeführt, d.h. Schülerinnen und Schülern, die aufgrund ihrer eigenen umfangreichen Erfahrungen als Experten für die jüngeren SuS da sind. Idealerweise unterrichten je eine Schülerin und ein Schüler der Jg. 9 im Team eine Klasse 5/6/7 für jeweils drei Unterrichtsstunden. Durch diese schülerorientierte und kooperative Lehr- und Lernmethode („peereducation“) wird die Kompetenz aller beteiligten Schüler umfassend erweitert und die sonst übliche Trennung der Jahrgangsstufen wohltuend überwunden. Ausgewählt werden die angehenden Medienscouts am Ende der Jahrgangsstufe 8 (Auswahl in Absprache mit den Klassenlehrern), vorbereitet werden die ausgewählten Medienscouts im ersten Quartal der Jahrgangsstufe 9.

 

Einbindung externer Experten

Schülerinnen und Schüler der 5. Klassen sowie deren Eltern werden durch Herrn Arz, Polizeibeamter im AachenerKommissariat Vorbeugung, in einem Vortrag schon frühzeitig über die Gefahren im Internet informiert.
 
Medienausstattung
Zur Umsetzung des Medienkonzeptes hält das Kaiser-Karls-Gymnasium die folgende Medienausstattung bereit:
In jedem Unterrichtsraum ist ein Computer mit Internetanschluss vorhanden, außerdem: 27 Beamer, 2 vollständig ausgestattete und vernetzte Computerräume, 6 Räume mit interaktiven Tafelboards, ein Koffer mit 16 iPads zum mobilen Einsatz, ein Lernzentrum mit Computerarbeitsplätzen, Videowagen mit Fernseher und DVD-Player, 6 Räume mit großformatigem Flat-TV, Theaterraum mit Licht-, Tontechnik und Beamer, Visualizer, CD-Player
 
Medienkompetenzen
Neue Medien unterstützen offenere Unterrichtsformen und ermöglichen den Schülerinnen und Schülern mehr Selbsttätigkeit. Die Schülerinnen und Schüler sollen neben fachlichen, methodischen und sozialen Kompetenzen auch Medienkompetenz erwerben, um in der heutigen und zukünftigen Informationsgesellschaft bestehen zu können.
Medienkompetenz umfasst u.a.:
- Medienangebote sinnvoll, d.h. zielgerichtet auszuwählen, zu nutzen und zu gestalten
- Medienbotschaften zu verstehen und zu bewerten
- Medieneinflüsse zu erkennen und aufzuarbeiten
Die Medienerziehung geschieht am Kaiser-Karls-Gymnasium inhaltsorientiert und ist deshalb angebunden an konkrete Fachinhalte. Um die Verbindlichkeit zu unterstreichen und um Standards in der Medienerziehung transparent zu machen, sind die Ziele der Medienerziehung kompetenzorientiert für die Jahrgangsstufen 5/6 sowie 7/8/9 formuliert. Die unterrichtliche Verknüpfung ist dabei, wenn nicht anders angegeben, beispielhaft und kann durch andere Unterrichtsvorhabenersetzt oder auch ergänzt werden. Um eine vergleichbare Ausbildung sicherzustellen, wird die Durchführung entsprechender Projekte und das Erreichen der entsprechenden Kompetenzniveaus folgendermaßen begleitet:
Klassen 5/6: Erprobungsstufenkonferenz
Klassen 7-9: Klassenlehrer/in mit Unterstützung der Versetzungskonferenz
Für die Doppeljahrgangsstufe 5/6 werden folgende Kompetenzniveaus angestrebt:
  • Die SuS können sich im schulischen Intranet anmelden und dort Dateien speichern und wieder aufrufen.
  • Die SuS können einfache Texte in einer Textverarbeitung schreiben, d.h. Randeinstellungen vornehmen, Schriftarten auswählen Überschriften abheben.(z.B. einen Aufsatz im Fach D)
  • Die SuS können eine einfache Präsentation erstellen, d.h. Folien hinzufügen, Hintergründe und Layouts gestalten, Bilder einfügen. (z.B: im Fach Englisch „MyHometown“)
  • Informationen aus vorgegebenen Quellen entnehmen und in ihrer Arbeit verwenden.
Für die Doppeljahrgangsstufe 7/8 werden folgende Kompetenzniveaus angestrebt:
  • Die SuS beherrschen weitere Aspekte der Textverarbeitung wie z.B. Rechtschreibprüfung, Absatzformatierungen (Zeilenabstand, einrücken).
  • Die SuS beherrschen grundlegende Aspekte der Tabellenkalkulation (Mathematikunterricht):
  1. Sie können Zellen adressieren und in einfache Formeln auf die Zellen Bezug nehmen.
  2. Sie können einfache Berechnungen (Summe, arithmetisches Mittel, etc.) durchführen
  3. Sie können Diagramme (Verlaufsdiagramme, Säulen- und Kreisdiagramme, Boxplots) aus eingegeben Daten mit Hilfe des Diagrammassistenten erstellen.
  • Die SuS können geometrische Konstruktionen mit Hilfe einer dynamischen Geometriesoftware erstellen und daraus Schlussfolgerungen bezüglich mathematischer Sachverhalten ziehen.(Mathematikunterricht)
  • Die Schüler können komplexere Präsentationen anlegen (Folienübergänge, Einbindung von Filmen/ Internetquellen) und diese zweckgemäß gestalten. Sie wissen, dass Präsentationen der Strukturierung und der visuellen Unterstützung eines Vortrags dienen.(Referat z.B. zu landeskundlichen Themen im Fremdsprachenunterricht)
  • Die SuS können bei der Internetrecherche durch die Verwendung sinnvoller Stichwörter gezielt nach Informationen zu einem eng eingegrenzten Bereich suchen und die Fundstellen in ihrer Relevanz beurteilen. (alle Fächer)
Für die Doppeljahrgangsstufe 9/EF werden folgende Kompetenzniveaus angestrebt:
  • Die SuS können mit Fußnoten und Inhaltsverzeichnissen in einer Textverarbeitung arbeiten. (Praktikumsbericht)
  • Die SuS kennen den Unterscheid von relativen und absoluten Zellbezügen in der Tabellenkalkulation. (Mathematik)
  • Die SuS nutzen die Tabellenkalkulation zur Simulation komplexerer mathematischer Probleme (Darstellung exponentiellen Wachstums z.B. bei Sparverträgen).
  • Die SuS erkennen Manipulationen bei Diagrammen. (Tabellenkalkulation im Mathematikunterricht)
  • Die SuS arbeiten mit Funktionsplottern um Funktionen zu kategorisieren. (Mathematikunterricht)
  • Die SuS kennen und erkennen Kameraperspektiven und die damit verbundene Interpretation visuell dargestellter Szenen (z.B. Film- bzw. Bildanalyse im Englischunterricht).
  • Die SuS erkennen den bewussten Einsatz von Musik in filmischen Darstellungen.(Filmanalyse)
  • Die SuS nutzen die Videoanalyse als Messinstrument, um Bewegungsvorgänge zu erfassen und mithilfe einer Tabellenkalkulation darzustellen und anschließend auszuwerten. (Physik und Sport)
  • Die SuS erweitern ihre Fähigkeiten im Umgang mit einer Audiosoftware zur Analyse von physikalischen Schwingungsphänomenen. (Physik)
Es ist eine selbstverständliche Aufgabe der Schule, den Umgang mit Printmedien (Bücher, Zeitschriften, Zeitungen) einzuüben, das geschieht in allen Unterrichtsfächern. Ergänzt wird das Angebot durch die Schülerbibliothek, in der vielfältige fiktionale und nichtfiktionale Werke für Schülerinnen und Schüler jeden Alters vorhanden sind. Insbesondere ist die Befähigung zur Textkritik unabdingbare Voraussetzung für den sinnvollen Umgang mit Internetquellen im Rahmen von größeren Referaten und der Facharbeit in der Jg. Q1. Die Medienkompetenzen werden in der Qualifikationsphase vertieft und erweitert. Die jeweilige Ausgestaltung hängt hier jedoch von der Fächerwahl des einzelnen Schülers ab. Insbesondere werden beim Methodentraining Q1 zur Vorbereitung der Facharbeit die Kompetenzen zum medialen Umgang bei der Informationsbeschaffung weiter gefördert. Dabei erlernen die SuS einen verantwortungsbewussten Umgang mit Zitaten undQuellenbelegen und lernen Kriterien kennen, anhand derer sie die Glaubwürdigkeit von Internetquellen beurteilen können.
 
Evaluation und Weiterentwicklung
In einer Zeit äußerst schnellen medialen Wandels bedarf insbesondere ein Medienkonzept der steten Evaluation und Überarbeitung. Dies geschieht in Absprache mit allen für die Umsetzung Verantwortlichen in regelmäßigen Abständen. Verantwortlicher Medienbeauftragter des Kaiser-Karls-Gymnasiums ist Wolfgang Scheuer.

 

W. Scheuer