Das Schuljahr neigt sich dem Ende zu. Mit jedem Tag wird die Vorfreude auf die Sommerferien größer. Trotzdem fanden sich sechs Schülerinnen und Schüler des Kaiser-Karls-Gymnasium in der Jugendherberge Voeren in Belgien zusammen, um mit 37 anderen Schülerinnen und Schülern aus ganz NRW an der diesjährigen CAMMP week vom 25.06 bis 30.06 teilzunehmen. Die CAMMP week ist ein Angebot von der RWTH Aachen, wobei CAMMP für „Computational and Mathematical Modeling Program“ steht. Ziel der CAMMP week ist es, Jugendlichen näherzubringen, wie Mathematik in der Wissenschaft genutzt wird. Dazu wurden sieben noch ungelöste, komplexe Problemstellungen gestellt, die es zu lösen galt. Dabei wird man mit Wissenschaftlern zusammengebracht, die einen beim Finden einer Strategie tatkräftig unterstützen.

 

Nachdem nach und nach alle teilnehmenden Schüler, Lehrer und Wissenschaftler am Sonntag, dem 25.06, in Voeren eintrafen, begann das Kennenlernen der jeweiligen Arbeitsgruppen. Im Rahmen von Spielen zeigte sich zum ersten Mal Teamgeist innerhalb der Arbeitsgruppen, der uns auch in den folgenden Tagen begleiten sollte. Schließlich wurde ein einführender Vortrag zu Mathematischer Modellierung gehalten, um uns eine grobe Vorgehensweise der Lösung eines komplexen Problems mithilfe von Mathematik und Informatik vorzustellen. Dabei wird man mit Wissenschaftlern zusammengebracht, die die Gruppen tatkräftig unterstützen.

Am Montagmorgen erhielten wir die Zuweisung der Problemstellungen. Dabei reichten die Themen von der Kostenoptimierung beim 3D-Druck, der Planung von Offshore-Windparks oder der Routenoptimierung für Reinungsfahrzeuge in Solarturmkraftwerken, bis zu Verklausung von Fließgewässern. Alle diese Problemstellungen stammten aus der Forschung von Firmen, wie z.B. Vattenfall oder der Aachener Firma Hydrotec und Universitätsinstituten wie dem WSA der RWTH Aachen.

Die erste Herausforderung war es, das Problem mithilfe der Angaben der Firma nachzuvollziehen und den Zusammenhang von Mathematik und dem realen Problem zu erkennen. Nachdem diese erste Hürde überwunden wurde, begannen hitzige Gruppendiskussionen. Dabei musste das Problem so vereinfacht werden, dass man es mathematisch beschreiben konnte. Schließlich begann am Ende des ersten Tages die Arbeit am Computer. Im Verlauf der nächsten Tage musste man auch immer wieder frustrierende Erfahrungen verkraften, wenn man Fehler in den eigenen Überlegungen erkannt hatte oder der implementierte Code nicht funktionierte. Um so mehr freuten wir uns über die tollen Ergebnisse, die entstanden. Am Tag vor der Präsentation, die in der Couvenhalle der RWTH Aachen stattfand, stieg jedoch die Spannung, denn nicht nur der sechsseitige Bericht der Arbeit sondern auch eine strukturierte Präsentation musste fertiggestellt werden. Hier stellten vor Allem die Lehrer eine große Stütze dar, die uns motivierten und mit Kaffee, Müsliriegeln und Obst versorgten. Es stellte sich heraus, dass wir die Energiezufuhr dringend nötig hatten, da alle Gruppen bis tief in die Nacht arbeiteten. So gingen die ersten erst um zwei Uhr schlafen, nicht wenige machten die Nacht durch.

Nach der langen Nacht, in der man nur wenig Schlaf gefunden hatte, macht sich allmählich Nervosität breit, denn die Präsentation der Ergebnisse in der RWTH, zu der viele Lehrer, Eltern, Schüler, Wissenschaftler und Vertreter der Unternehmen eintreffen würden, rückte immer näher.

Schließlich fuhren wir mit unseren Betreuern zurück nach Aachen und bereiteten uns auf die Präsentationen vor. Als die Präsentation begann, war der Schlafmangel kaum noch zu bemerken. Nach der Präsentation wurden die gefundenen Ergebnisse mit den Firmenvertretern diskutiert, die sehr beeindruckt waren. Es folgte der Abschied von den Teilnehmern der CAMMP-week, der allen sehr schwer fiel. In dieser intensiven Woche sind die jeweiligen Gruppen sehr nah zusammen gewachsen. Schnell wurden noch Telefonnummern ausgetauscht und Abschiedsfotos geschossen. Dann fand die CAMMP week ihr Ende.

Insgesamt hat uns die CAMMP week sehr viel geholfen: Man erhielt nicht nur Einblick in wissenschaftliche Arbeitsmethoden, sondern lernte Mathematik von einer ganz anderen Seite kennen. Mit der Situation eine reale Problemstellung anhand Mathematik und Informatik zu lösen, bei der Stift und Papier oft nicht ausreicht und es die perfekte Lösung vielleicht gar nicht gibt, wird man in der Schule eigentlich nie konfrontiert. Definitiv war die CAMMP week ein einmaliges Erlebnis.

Elena Gensch, EF