Nach Marie-Thérése Eble (2012) ist es mit Thuy-Trang Phan (Jahrgangsstufe Q2) zum ersten Mal wieder einer Schülerin des Kaiser-Karls-Gymnasiums gelungen, den ersten Preis beim Landesschülerwettbewerb Alte Sprachen NRW Certamen Carolinum zu gewinnen. Sie wird somit gemeinsam mit Julia Carthaus aus Neuss und Henrike Schnepel aus Bocholt in die Studienstiftung des deutschen Volkes aufgenommen.
 


In der vom 24.11.-26.11. im Kaiser-Karls-Gymnasium durchgeführten Endrunde setzte sich Thuy-Trang Phan somit gegen mehr als 130 Mitschülerinnen und Mitschüler aus ganz NRW durch. In zwei Auswahlgesprächen stand sie zunächst mehreren Jurymitgliedern bezüglich ihres sozialen Engagements, ihrer Initiativen und kognitiven Fähigkeiten Rede und Antwort. Am darauf folgenden Freitag überzeugte sie dann die gesamte Fachjury sowohl durch ihren sehr mutigen Vortrag zum Thema „Homo- und Bi-Sexualität im Römischen Reich“, in dem sie ausgehend von zwei Epigrammen des römischen Dichters Martial das Thema tiefgründig und wissenschaftlich entfaltete, als auch durch das sich anschließende Colloquium.



Die Tatsache, dass das Certamen Carolinum in seiner 32. Auflage einen Teilnehmerrekord verzeichnete, zeigt das weiterhin bestehende Interesse junger Leute, sich ausgehend von antiken Texten mit aktuellen Fragenstellungen zu beschäftigen. Themen wie „Flucht und Vertreibung am Beispiel des Trojaners Aeneas“ (Julia Carthaus) und „Von den Ursprüngen der Medizin (Asklepios) bis zum Designer-Baby“ (Henrike Schnepel) unterstreichen die Bedeutung antiker Texte für den aktuellen politischen und gesellschaftlichen Diskurs.

Aus diesem Grund stellte auch der Aachener Oberbürgermeister Marcel Philipp eine grundsätzliche Frage in das Zentrum seines Grußwortes zu Beginn der diesjährigen Preisverleihungsfeier: Wo stehen wir heute in Europa? Philipp zeigte auf, dass die Menschen in Europa heute alle Vorzüge eines freien, friedlichen und offenen Europas als Ergebnis einer langen, aber zugleich auch wechselhaften und schwierigen Geschichte genießen dürften und eigentlich damit zufrieden sein müssten. Kennzeichen unserer heutigen Zeit seien jedoch zunehmend Angst, Ausgrenzung und das Schwinden von Moral. Dies sei ein schwieriger Befund. Daher müsse es die Aufgabe der Gesellschaft sein, sich dieser Entwicklung bewusst zu werden und sich Fragen zu stellen: Was sind eigentlich die Wurzeln unserer Kultur? Woher kommen wir? Was können wir aktiv tun, um unsere europäischen Werte zu schützen? Der Landesschülerwettbewerb „Certamen Carolinum“ liefere dazu einen wichtigen Beitrag, indem sich Schülerinnen und Schüler in mehreren Wettbewerbsrunden intensiv mit antiken Texten beschäftigten, diese interpretierten und mit der Gegenwart vergleichend in Bezug setzten. Dies sei, so Philipp, nichts Veraltetes, sondern etwas, was im Hier und Jetzt notwendig sei.

Die enge Verbindung der Stadt Aachen zu dem Wettbewerb verdeutlichte der Oberbürgermeister durch die Übergabe eines Stadtpreises an Alexandra Emilia Schlaak für ihren Vortrag „Der Umgang mit dem Fremden. Wie Amerigo Vespucci die „Neue Welt“ beschreibt und erklärt“. Als weiterer Aachener Preisstifter überreichte Dr. Hermann Krüssel den „Preis des Vereins Pro Lingua Latina e.V.“ an Tobias Kunzelmann aus Haan für dessen Beitrag „Daedalus und Icarus bei Ovid. Das Bild der strafenden Götter in Antike und Gegenwart“. Weiterhin eng mit dem Certamen Carolinum verbunden ist die Vereinigung der ehemaligen Schülerinnen und Schüler des Kaiser-Karls-Gymnasiums. Ihr Vorsitzender Marco Sievert übergab Selina Düker aus Viersen-Dülken, die ausgehend von Seneca eine „Guideline für ein glückliches Leben“ darstellte, einen attraktiven Geldpreis. Weitere Preisträger waren Sabine Laubenthal vom Heilig-Geist-Gymnasium in Würselen (Preis des MSW), Jessica Breuer vom Franziskus Gymnasium in Hürtgenwald-Vossenack sowie Denise Keufen vom Bischöflichen Gymnasium St. Ursula in Geilenkirchen (Preise des Vereins zur Förderung der Alten Sprachen in den Schulen e.V.).



Schließlich durften sich noch zwei Schüler über tolle Reisepreise freuen. Ben-David Chandra aus Bielefeld wird das Land NRW im kommenden Jahr beim internationalen Lateinwettbewerb „Certamen Ciceronianum“ in Arpino/Italien vertreten, Kai Niklas Gronemeyer aus Paderborn mit Unterstützung der „Elisabeth-Lebek-Stiftung“ eine Reise innerhalb der Grenzen des alten Imperium Romanum machen.

Für musikalisch außergewöhnliche Momente sorgte der mehrfache Bundessieger „Jugend musiziert“ Johannes Kühle aus Paderborn. In Begleitung des Pianisten Norbert Niederau (Musikhochschule Aachen) verzauberte er das Auditorium mit seiner Klarinette und wurde mit langanhaltendem Applaus bedacht.

A. Weber