- Unser Ausflug zur documenta 14 -

Wer verbringt nicht gern die letzten Tage vor dem Anfang der Ferien auf Exkursionen ;-)?

Dies dachten wir uns als Q1 Kunst LK auch und beschlossen unter der Leitung von Frau Sieverding und  weitern kunstbegeisterten Schülern aus der gesamten Oberstufe und zwei weiteren Lehrern gemeinsam nach Kassel zur dOCUMENTA 14 zu fahren.

Früh morgens versammelten sich alle am Busparkplatz, zwar müde, jedoch mit reichlich guter Laune, Proviant und Lenas großer türkisfarbener Kuscheldecke, die laut ihrer Aussage „bei einer guten Exkursion nicht fehlen darf." Nach einer kleinen Verspätung unseres Reisebusses und einer anschließenden sehr unterhaltsamen 3-stündigen Fahrt kamen wir gegen 12 Uhr in Kassel an.

Aus „finanzieller Not“ heraus kamen wir nicht in den Genuss, eine offizielle Führung von Seiten des dOCUMENTA –Personals buchen zu können. Umso besser wurde es jedoch, denn Frau Sieverding, Frau Neuenhaus und Frau Capell informierten sich umfangreich über die Besonderheiten und die zentralen Leitmotive und deren Bedeutung der dOCUMENTA 14 und konnten uns so einen spannenden Einstieg in die Thematik geben.

Die dOCUMENTA findet alle fünf Jahre in Kassel statt und wird als „eine der weltweit bedeutendsten Reihen von Ausstellungen für zeitgenössische Kunst " beschrieben; erstmals 1955 von Arnold Bode, Künstler und Professor der dortigen Kunstakademie, gegründet und direkt einen Heimatplatz gefunden. Genau 100 Tage haben Besucher aus der ganzen Welt Zeit, sich dieses Kunstspektakel anzuschauen. Dieses Jahr sollte die dOCUEMNTA 14 jedoch unter einem ganz neuen Flair erstrahlen.                                                                                       

Als zweiten, gleichberechtigten Standort wurde erstmals Athen ausgewählt und allen Künstlern angeboten , an beiden Standorten zu arbeiten. Inspiration dazu gab der Leitgedanke, der dOCUMENTA 14 sowohl durch  einen thematischen Wechsel als auch durch einen Ortswechsel, ein neues und kreatives Konzept zu bescheren. Kritik am Konzept der Doppel-dOCUMENTA gab es jedoch an beiden Standorten. Man befürchtete eine dauerhafte Verlagerung der dOCUMENTA in eine größere Metropole.

Als zentrales Leitmotiv der dOCUMENTA 14 wählte man das klassische Symbol der Eule, allerdings mit verdrehtem Kopf, was sinnbildlich für das „Verlernen“ im Sinne des „Neu-Sehens“ zu deuten ist. Die Eule steht auch eng in Verbindung mit dem zweiten Standort Athen. Man hofft, dass die dOCUMENTA die Kunstszene der Stadt dauerhaft beflügelt. Des Weiteren soll man sich als Besucher die Frage stellen, wie man mit den Mitteln der Kunst die Weltpolitik erfassen kann.

Nach der ersten Einführung teilten wir uns in Kleingruppen auf und konnten mit einem Stadtplan und einer zuvor heruntergeladener App die dOCUMENTA 14 alleine erkunden. Durch die App wurde man von dOCUMENTA-Objekt zu dOCUMENTA-Objekt geführt und konnte zwischen verschiedenen Führungen wählen. Beeindruckender Weise wurden viele der stehengebliebenen dOCUMENTA-Objekte mit in diese Führungen eingebunden, sodass man sofort erkennen konnte, dass die stehengebliebenen Installationen der letzten Jahre nicht in Vergessenheit geraten, denn nicht alle Objekte werden nach den 100 Tagen wieder abgebaut. So steht der Obelisk des US-Künstlers Olu Oguibe bis heute und kann zeitlos z.B an die heutigen Flüchtlingslage übertragen werden.

Besonders magisch wurde die Exkursion aber durch die Tatsache, dass viele der Kunstwerke auf den ersten Blick keine klare Botschaft vermitteln. Man muss aktiver Teil der gesamten Ausstellung werden, um seine eigene individuelle Interpretation zu schaffen. Zum Ende der Führungen kann man dann viele Vernetzungen zwischen zu den einzelnen Kunstwerken herstellen.

Die dOCUMENTA 14 bietet ihren Besuchern viele Besonderheiten: Besonders einprägend fand ich jedoch den qualmenden Zwehrenturm. Kassel möchte damit ein klares  „warmes Signal“ in die ganze Welt senden, in einer Zeit, in der die menschliche Kälte nicht über die Nächstenliebe dominieren darf.

Wochen vor der Eröffnung gab es einen Aufruf zu Bücherspenden für das Kunstwerk „The Parthenon of Books." Die Idee, ein Teil eines großen und bedeutenden Kunstwerks zu sein, war schon im voraus beeindruckend. Nachdem ich aber selbst inmitten dieses enorm großen Bauwerkes aus Büchern stand, war ich vollkommen überwältigt. Menschen aus der ganzen Welt spendeten Bücher und dennoch gab es nicht genügend. Gesammelt wurden Bücher, die damals verboten oder gar verbrannt wurden. „Der Parthenon der Bücher" soll ein klares Zeichen gegen das Verbot von Büchern und deren nicht demokratisch handelnden Verfassern setzen. Er wurde nach dem Vorbild des Tempels auf der Athener Akropolis errichtet.

Die Vielseitigkeit dieser Exkursion zeigte sich nochmals, als wir „Kassel von unten“ kennenlernten. In einem ansonsten für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Ort, dem alten Kulturbahnhof, gelang man über einen kleinen Container in den Untergrund Kassels. Dort wurde eine Filminstallation aufgebaut, die sich mit alltäglichen Problemen beschäftigt. Diese besondere Art der Vermittlung hat mir sehr gefallen, denn durch die Atmosphäre des Untergrundtunnels und der kalten Luft, konnte man sich intensiv mit der beschriebenen Thematik beschäftigen.

Nach ungefähr sieben Stunden versammelten wir uns alle wieder auf dem Friedrichsplatz vor dem dOCUMENTA-Pavillon, um den gelungenen Tag abzuschließen und zur Erinnerung ein schönes Gruppenbild zu schießen.

Abschließend bin ich sehr glücklich die Chance bekommen zu haben, zur dOCUMENTA 14 nach Kassel gefahren zu sein und bin mir sicher, auch in fünf Jahren die dOCUMENTA 15 besuchen zu wollen. Gemeinsam mit meiner Gruppe habe ich Kassel in all seinen Facetten kennengelernt. Sowohl bedeutsame Installationen der aktuellen Ausstellung als auch Installationen der letzten Jahre. Dadurch entsteht ein Gefühl des zeitlosen Augenblickes, denn obwohl schon viele Jahre zu den vorherigen Ausstellungen vergangen sind, kann man sich sehr gut mit vielen Objekten identifizieren. Schade fand ich, dass uns der Exkursionstag nicht gereicht hat, um sich alle Installationen anzusehen. Im Nachhinein konnte man im Internet durch einen Online Katalog blättern und dort alle aktuellen Installationen ansehen. Wir hatten nicht mehr als die Hälfte der Installationen gesehen, was von der Größe und Ideenvielfalt der dOCUMENTA und jedes einzelnen Künstlers zeigt.

Sofia Boymenblit, Q2, LK Kunst