Die Summer School der Konrad-Adenauer-Stiftung war für mich ein einzigartiges Erlebnis und führte mich in mir noch unbekannte Sphären der Politik. Das sechstägige Seminar mit dem Titel „Europa entdecken“ bot den Teilnehmern Seminare von verschiedenster Form und Inhalt. Von der Gründungsgeschichte der Europäischen Union über ein Planspiel, in welchem wir politische Entscheidungsprozesse nachahmten, bis zu Vorträgen von Referenten im EU-Parlament und -Kommission.
 

Als ich am 26. Juli dann zum Tagungsort in Herzogenrath fuhr, war es zunächst ein komisches Gefühl, nur 15 Minuten entfernt von Zuhause zu sein, unter dem Wissen, dass meine Schulkameraden teilweise bis zu 350 km weit gereist waren, um zu ihrer Veranstaltung zu gelangen. Dort angekommen ging es nach einer Runde Kaffee und Kuchen sofort mit dem Programm los.

Das Zweierteam der sympathischen Tagungsleiter stellte sich vor und führte uns in das Programm ein. Obwohl mir doch schon jeder Punkt des Programmes bekannt war, war ich aufgeregt und hörte genau zu, was die beiden zusagen hatten. Mit den ganzen unbekannten Gleichaltrigen, die ebenso wie ich verhalten und aufmerksam dasaßen, glich es einer kleinen Einschulung einer neuen Klasse. Mit den Kennenlernspielchen, die darauffolgten, konnte dann doch sehr schnell das Eis gebrochen werden, sodass eine bemerkenswerte gelassene und freundliche Stimmung entstand, die das ganze Seminar über andauerte. Durch diese konnten dann zahlreiche Freundschaften auf Augenhöhe entstehen- eine Sache, die ich sehr genossen habe und von der ich noch heute profitiere. Überhaupt war es bereichernd, sich mit Gleichgesinnten auf einem bestimmten Niveau zu unterhalten und Diskussionen führen zu können.

 

Ebenso besonders und faszinierend waren die hochqualitativen Seminare, welche von den unterschiedlichsten Persönlichkeiten vorgetragen wurden. Als Grundlage zum Verständnis weiterer Vorträge führte uns Malte Zabel, tätig in der Politikberatung und im Bundestag, in die Geschichte, Politik, Kompetenzen und Arbeitsweise der Europapolitik ein. Damit war das Fundament gesetzt und ich war bereit, tiefer in die Materie einzudringen, was mir mit den folgenden Vorträgen auch gelang.

Highlights des Programmes waren für mich unter anderem ein Vortrag von Dr. Christoph Bierbrauer über die wirtschafts-, währungs- und finanzpolitische Steuerungen der EU sowie europäische Handelsabkommen, mit besondere Pointierung auf „TTIP“ und „CETA“. Dabei erklärte der Vortragende uns, wie es zur Eurokrise kommen konnte, welche Maßnahmen in der Fiskalpolitik schon erhoben wurden und in wie fern diese Wirkung zeigten. Interessant waren beispielweise, wie der Vertrag von Maastricht, welcher die Gesamtverschuldung der Mitgliedsstaaten auf 3% des BIPs limitieren sollte, von den Mitgliedsstaaten gebrochen wurde und wie die sog. „No-Bailout Clause“ legal umgangen werden konnte. Zudem zeigte Bierbrauer die Problematik des Euro-Rettungsschirms auf, da dieser zu allgemein und unangepasst verwendet worden sei nach dem Motto „one size fits all“. So sei es beispielsweise sinnvoll gewesen bei Irland, welches bis 2008 immer gut gewirtschaftet habe, die Gelder zu investieren. Bei Griechenland sei dies hingegen uneffektiv gewesen, da Griechenland als sog. „failed state“ fundamentale wirtschaftliche Probleme mit sich getragen habe. Als Lösungsansatz sieht Bierbrauer eine Fiskalunion innerhalb der EU-Mitgliedsstaaten, vergleichbar mit den Transaktionen zwischen Bundesländern.

 

Bierbrauer griff ebenfalls populäre Parolen zum TTIP-Stopp auf wie zum Beispiel, dass durch das Abkommen Chlorhühnchen in unseren Handel gelangen könnten und öffentliche Dienstleistungen privatisiert werden würden. Diese widerlegte er mit dem Argument, dass unsere Rechtslage so etwas nicht zulassen würde und somit Geflügel und ähnliches gar nicht erst zur Verhandlung stünden. Vielmehr könne in der Geschichte Europas der Freihandel und der gemeinsame Markt als „Wohlstandsmotor“ unserer Gesellschaft gesehen werden, so Bierbrauer.

 

Ein weiteres tolles Seminar war der im Provinzparlament in Maastricht gehaltene Vortrag von Dr. Eric Lemmens über die politische, wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit über Grenzen in der Euregio Maas-Rhein. Hierbei war es besonders schön zu sehen, wie alle drei Parteien von der Zusammenarbeit profitieren. Dabei ist mir bewusst geworden, dass beispielsweise das Zusammenwirken der Hilfsdienste, die vereinheitlichten Ticketsysteme der ÖNVP und viele andere Dinge, die unser Leben um einiges erleichtern, keine Selbstverständlichkeit sind.

 

Andere eindrucksvolle Erlebnisse waren natürlich der Besuch im Europäischen Parlament in Brüssel und das Gespräch mit dem Referenten vor Ort, wie auch der darauffolgende Besuch in der Europäischen Kommission.

 

Durch die vielen Vorträge mit Hintergrundinformation und den Exkursionen nach Brüssel, Maastricht und Eupen erhielt ich einen einzigartigen Einblick in die Politik der Europäischen Union. Zusätzlich konnte ich Kontakte knüpfen mit politisch interessierten Jugendlichen aus ganz Deutschland, sodass ich mich als Person weiterentwickelt und -gebildet habe. Nach diesem bereichernden Erlebnis kann ich nur jeden Interessierten ermutigen, sich bei Herrn Weber zu melden oder sich im Internet nach Möglichkeiten der Teilnahme an politischen Bildungsmaßnahmen zu erkundigen.
 
Nadim Tabaza, Q2